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Warum Antibiotikaresistenzen die Gesundheit gefährden
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Warum Antibiotikaresistenzen die Gesundheit gefährden

faq Stand: 13.10.2025 11:45 Uhr Die Resistenz vieler Krankheitserreger gegen Antibiotika wird zunehmend zum Problem. Auch in Deutschland steigt die Zahl der Antibiotikaresistenzen. Was kann man dagegen tun? Von Emily

  • PublishedOctober 13, 2025


Ein Laborarbeiter untersucht Trägerplatten mit dem Bakterien


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Stand: 13.10.2025 11:45 Uhr

Die Resistenz vieler Krankheitserreger gegen Antibiotika wird zunehmend zum Problem. Auch in Deutschland steigt die Zahl der Antibiotikaresistenzen. Was kann man dagegen tun?

Von Emily Burkhart und David Beck, SWR

Antibiotikaresistenzen nehmen weltweit zu. Das Robert Koch-Institut (RKI) warnt, dass sie eine der größten Herausforderungen für die globale Gesundheit darstellen. Laut RKI kann ihre Entstehung nicht verhindert, sondern höchstens verlangsamt werden. Was lässt sich also gegen diese Resistenzen unternehmen?

Was sind Antibiotikaresistenzen?

Antibiotika bekämpfen Bakterien, indem sie diese abtöten oder ihr Wachstum hemmen. Wenn ein Bakterium gegen ein Antibiotikum eine Widerstandsfähigkeit entwickelt, verliert dieses seine Wirkung und man spricht von einer Resistenz.

Antibiotikaresistenzen stellen eine große Gefahr dar, weil sie die Behandlungsmöglichkeiten stark einschränken. Bakterien können außerdem gegen mehrere Antibiotika resistent werden – man spricht dann von einem multiresistenten Erreger. Die Behandlung von Infektionen mit multiresistenten Erregern gestaltet sich deutlich schwieriger und kann in schweren Fällen nahezu unmöglich werden. Infektionen, die früher problemlos heilbar waren, können dadurch lebensbedrohlich werden.

Wie entstehen solche Resistenzen?

Antibiotikaresistenzen kommen ganz natürlich in der Umwelt vor. Sie entstehen durch natürliche Mutationen im Erbgut der Bakterien oder durch Aufnahme von Resistenzgenen aus der Umgebung, die Bakterien manchmal untereinander austauschen und weitergeben können.

Durch den Einsatz von Antibiotika entsteht ein Selektionsdruck: Kommen die Bakterien mit einem Antibiotikum in Kontakt, sterben die meisten ab. Bakterien, die eine Resistenz gegenüber dem Antibiotikum besitzen, überleben jedoch und können sich weiter vermehren und ausbreiten.

Werden Antibiotika viel und unbedacht eingesetzt, steigt daher das Risiko, dass sich diese Resistenzen ausbreiten können.

Was wird gegen Antibiotikaresistenzen getan?

Neue Richtlinien könnten dabei helfen, festzulegen, wie mit den bisherigen Antibiotika besser umgegangen werden kann. Dort, wo das Risiko für das Entstehen von Resistenzen am größten ist – zum Beispiel in Massentierbetrieben und Krankenhäusern – kann bessere Hygiene Infektionen und damit auch den Einsatz von Antibiotika vermeiden. Durch Desinfektion von Händen oder Oberflächen können Bakterien bereits abgetötet werden, wodurch die Gefahr einer Infektion sinkt.

Auch Impfungen können helfen, indem sie die Gesamtzahl der Ansteckungen verringern. Weniger Infektionen bedeuten dann weniger Einsatz von Antibiotika und damit weniger Bildung von Resistenzen. Der sogenannte Herdenschutz durch Impfungen reduziert die Ausbreitung von Krankheitserregern und damit die Notwendigkeit von Antibiotika zusätzlich.

Und Impfungen können auch vor resistenten Erregern schützen. Vor bakteriellen Infektionen schützen beispielsweise Impfungen gegen Pneumokokken, Meningokokken, Diphtherie, Tetanus und Pertussis (Keuchhusten).

Können neue Antibiotika hergestellt werden?

Neue Antibiotika zu entwickeln, gegen die es noch keine Resistenzen gibt, dauert sehr lange und ist sehr teuer. Für Pharmaunternehmen rechnet sich diese Investition nur, wenn sich nach der Marktzulassung mit dem Medikament auch Geld verdienen lässt. Neue Antibiotika, gegen die es keine Resistenzen gibt, würden jedoch als Reserveantibiotika eingesetzt werden – um die Bildung neuer Resistenzen zu vermeiden. Das sind Antibiotika, die nur zum Einsatz kommen, wenn keine anderen Behandlungsmöglichkeiten mehr wirksam sind.

Das bedeutet, dass sich damit kaum Umsatz machen lässt. Daher müssen Anreize für Unternehmen geschaffen werden, um die Entwicklung neuer Antibiotika wirtschaftlich attraktiv zu machen. Eine Möglichkeit wäre, den Patentschutz für ein anderes Medikament zu verlängern, wodurch das Unternehmen dort höhere Einnahmen erzielen könnte.

Hoffnungen werden auch in sogenannte Bakteriophagen gelegt. Das sind Viren, die Bakterien befallen, aber für Menschen unschädlich sind. In Deutschland werden sie allerdings bisher nur in klinischen Studien eingesetzt. Zudem sind solche Therapien auf einzelne Patienten zugeschnitten und dadurch aufwändig und teuer.

Wie nehme ich Antibiotika richtig ein?

Generell sollte bei einer leichten Infektion zunächst versucht werden, diese ohne Antibiotika zu behandeln. Wird eine Antibiotika-Therapie aber von medizinischem Fachpersonal für notwendig gehalten, empfiehlt es sich nicht, diese zu verweigern.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie ist auch die Faustregel, Antibiotika stets bis zum Ende der Packung einzunehmen, mittlerweile überholt. Es hänge vielmehr von der Art der Erkrankung, ihrer Schwere, dem individuellen Verlauf und dem jeweiligen Bakterientyp ab, wie lange ein Antibiotikum eingenommen werden muss. Antibiotika länger einzunehmen als nötig kann Resistenzen fördern.

Ein Antibiotikum sollte dennoch nie eigenmächtig abgesetzt werden. In der Regel verordnen Ärzte eine Einnahmedauer, die auf die spezifische Infektion abgestimmt ist. Bei vorzeitigem Abklingen der Symptome oder ausbleibender Wirkung sollte man stets ärztlichen Rat zum weiteren Vorgehen einholen.

Bei einigen Antibiotika sollte zusätzlich darauf geachtet werden, vor und nach der Einnahme der Antibiotika mindestens zwei bis drei Stunden lang auf Milch und Milchprodukte zu verzichten. Grund dafür ist das in der Milch enthaltene Kalzium, das die Aufnahme des Wirkstoffs abschwächen kann. Das gilt auch für Nahrungsmittel, die die Magensäure stark anregen. Dazu gehören zum Beispiel Kaffee und Tee.


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shehryarsiraj786@gmail.com

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