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Putschversuch in Madagaskar? Präsident flieht offenbar ins Ausland
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Putschversuch in Madagaskar? Präsident flieht offenbar ins Ausland

tz Politik Stand: 13.10.2025, 21:27 Uhr Von: Lisa Mahnke DruckenTeilen Auf Madagaskar haben sich die Machtverhältnisse verschoben. Nach Massenprotesten ist Präsident Rajoelina geflohen. Er spricht von einem Staatsstreich. Antananarivo –

  • PublishedOctober 13, 2025


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Auf Madagaskar haben sich die Machtverhältnisse verschoben. Nach Massenprotesten ist Präsident Rajoelina geflohen. Er spricht von einem Staatsstreich.

Antananarivo – Auf Madagaskar spitzt sich die politische Krise weiter zu. Nach mehrwöchigen Massenprotesten soll Präsident Andry Rajoelina laut Berichten des französischen Senders RFI das Land verlassen haben. Am Wochenende hatte das Präsidentenbüro von einem „Versuch der illegalen Machtübernahme“ gesprochen.

Madagassische Demonstranten feiern auf einem zerstörten gepanzerten Fahrzeug der Gendarmerie.
Massenproteste in Madagaskar: Immer größere Teile der Exekutive schließen sich den Protesten an (Symbolbild). © LUIS TATO/AFP

Vertreter des Amts wiesen Berichte über eine Flucht Rajoelinas zunächst zurück und erklärten, der Präsident halte sich weiterhin im Bunker des Regierungspalasts auf. Nun wurde allerdings bekannt, dass der Staatschef bereits am Sonntag an Bord eines französischen Militärflugzeugs ausgeflogen worden sei. Zwischen Rajoelina und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron habe es zuvor eine entsprechende Absprache gegeben. Rajoelina besitzt neben der madagassischen auch die französische Staatsbürgerschaft, die ihm 2014 verliehen wurde.

Proteste in Madagaskar gehen in die nächste Runde – Präsident Rajoelina plant große Ansprache

Trotz der Meldungen über seine Ausreise kündigte das Büro des Präsidenten für Montagabend (13. Oktober, 19 Uhr Ortszeit) eine Ansprache an die Nation an. In der Hauptstadt Antananarivo versammelten sich unterdessen erneut zahlreiche Demonstrierende, die den Rücktritt des Präsidenten fordern. „Wir warten auf seinen Rücktritt, aber so wie ich ihn kenne, glaube ich nicht, dass er das sagen wird“, sagte die madagassische Studentin Rotsinasandratra Lucas Hantamalala laut der französischen Nachrichtenseite France24 zu ihren Erwartungen.

Der Präsident selbst kündigte Dialog als „einzigen Ausweg“ an. „Jeder Versuch der Destabilisierung und Spaltung muss verhindert werden“, hieß es in seiner Mitteilung. Währenddessen denkt man in der Protestbewegung bereits über die Zukunft nach. „Wir müssen zusammenkommen und gemeinsam über das System entscheiden, das wir einführen müssen“, so ein Redner laut L‘Express de Madagascar. Ein anderer Redner betonte: „Wir brauchen keine opportunistischen Politiker.“ Als nächsten Schritt wolle man auch Beamte in Ministerien dazu bewegen, ihre Arbeit einzustellen und „den Verwaltungsapparat zu blockieren“.

Vorbild Nepal? „Gen Z“-Protesten auf Madagaskar gegen Armut und für Infrastruktur

Seit Ende September protestieren auf der Insel im Indischen Ozean zehntausende Menschen – vor allem junge Madagassen. Sie organisieren sich unter dem Namen „Gen Z“ mithilfe sozialer Netzwerke und nutzen einen Totenschädel aus der Anime-Serie „One Piece“ als Symbol. Damit lassen sich viele Parallelen zu den kürzlichen Protesten in Nepal erkennen.

Die Bewegung begann als friedliche Demonstration gegen Strom- und Wasserausfälle, wachsende Armut, Arbeitslosigkeit und Missstände im Bildungssystem. Mindestens 80 Prozent der Bevölkerung auf Madagaskar leben laut France24 von weniger als 15.000 Ariary pro Tag (etwa 2,80 Euro), der Armutsgrenze der Weltbank.

Inzwischen kam es jedoch wiederholt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, bei denen nach UN-Angaben mindestens 22 Menschen ums Leben kamen. Über 100 weitere Menschen wurden verletzt. Rajoelina wies die Angaben laut France24 als „falsche Zahlen“ zurück. Er sprach von zwölf toten „Plünderern und Vandalen“.

Armee stellt sich hinter Proteste – Haltung der Gendarmerie zunächst unklar

Mittlerweile ist es ruhiger geworden bei den Protesten: Die rebellierende Capsat-Armeeeinheit hat sich auf ihre Seite gestellt und auch andere Soldaten zur Befehlsverweigerung aufgerufen. Sie erklärte, sie habe die Kontrolle über die Land-, Luft- und Seestreitkräfte übernommen. Die Capsat-Einheit hatte 2009 auch Rajoelina den Weg zur Präsidentschaft geebnet. Laut Angaben eines Capsat-Offiziers soll das Kommando der Armee übernommen worden sein, als man General Demosthene Pikulas zum Armeechef ernannt habe.

Neben Militär und Polizei verfügt Madagaskar auch über eine eigenständig operierende Gendarmerie. Das ist in ehemaligen französischen Kolonien nicht ungewöhnlich. Die Haltung der Gendarmerie war lange nicht ganz klar. Demonstranten machen sie zum Teil für die Gewalt an Protestierenden verantwortlich. Die Gendarmerie räumte daraufhin laut der ARD Fehler ein und rief zu „Brüderlichkeit“ zwischen Armee und Gendarmerie auf.

Gendarmerie in Madagaskar vollzieht Kommandowechsel: „Verteidigt das Volk“

Wie L‘Express de Madagascar allerdings am Montag (13. Oktober) berichtete, gab es auch bei der Gendarmerie einen Kommandowechsel. General Nonos Mbina Mamelison soll die Gendarmerie anführen. Er bezog im Vorfeld seiner Amtseinführung klar Stellung gegen Gewaltanwendung bei den Protesten. „Die Gendarmerie verteidigt nicht Einzelpersonen, sie verteidigt das Volk“, so der General.

Die Polizei geht bisher weiter gegen Ausschreitungen und Störungen vor. Doch spätestens durch die Unterstützung der Proteste von Armee und Gendarmerie haben sich die Kräfteverhältnisse zu Gunsten der „Gen Z“ verschoben. Die Welt schaut gespannt auf die kommende Ansprache an die Nation des Präsidenten Rajoelina. (Quellen: dpa, AFP, ARD, France24, L‘Express de Madagascar, eigene Recherche) (lismah)


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shehryarsiraj786@gmail.com

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