Alle lebenden Geiseln aus dem Gazastreifen frei
Stand: 13.10.2025 16:01 Uhr Die 20 noch lebenden Geiseln der Hamas sind frei. Allerdings hat diese bislang nur die Übergabe von vier der 28 toten Geiseln bestätigt. Mittlerweile hat auch
Die 20 noch lebenden Geiseln der Hamas sind frei. Allerdings hat diese bislang nur die Übergabe von vier der 28 toten Geiseln bestätigt. Mittlerweile hat auch die Freilassung Hunderter palästinensischer Häftlinge durch Israel begonnen.
Nach 738 Tagen in der Gewalt der Hamas im Gazastreifen sind alle überlebenden Geiseln wieder frei. Die islamistische Terrorgruppe übergab die letzten verbliebenen 20 Geiseln in zwei Gruppen am Vormittag dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz. Darunter sind auch vier Deutsch-Israelis.
Nach der Freilassung wurden die Geiseln nach Israel gebracht, zunächst in ein israelisches Militärlager am Rande des Gazastreifens. Dort sollte es ein erstes Wiedersehen mit Angehörigen geben. Anschließend sollten die bisherigen Geiseln zur weiteren Behandlung in Krankenhäuser geflogen werden.
Wiedersehen am Militärstützpunkt Re’im: Dieses Foto der Deutsch-Israelis Gali und Ziv Berman hat das israelische Militär veröffentlicht.
Übergabe von nur vier getöteten Geiseln bestätigt
Die Hamas muss im Zuge einer Vereinbarung mit Israel auch noch die sterblichen Überreste von bis zu 28 getöteten Geiseln übergeben. Bislang hat die Hamas jedoch nur die Übergabe von vier toten Geiseln an Israel bestätigt und veröffentlichte auf Telegram ihre Namen. Darunter war auch ein Student aus Nepal.
Auch das Forum der Geiselfamilien hatte zuvor mitgeteilt, sie hätten Informationen, dass die sterblichen Überreste von nur vier Geiseln übergeben werden sollen. Das israelische Militär war bereits davon ausgegangen, dass heute nicht alle Leichen übergeben werden können.
Die Angehörigen der Geiseln seien schockiert und bestürzt, teilte das Forum der Geiselfamilien mit und forderte die israelische Regierung und die Vermittler auf, Maßnahmen zu ergreifen, “um diese schwere Ungerechtigkeit zu korrigieren”. “Die Vermittler müssen die Bedingungen der Vereinbarung durchsetzen und sicherstellen, dass die Hamas für diesen Verstoß einen Preis zahlt.”
Jubel in Israel
Die Geiseln wurden unter grausamen Bedingungen festgehalten. Zuvor Freigelassene hatten von Folter und schweren Misshandlungen berichtet. In von Terrororganisationen veröffentlichten Videos waren stark abgemagerte Geiseln zu sehen.
Kurz vor der heutigen Freilassung hatten einige Geiseln Berichten zufolge per Video mit ihren Angehörigen telefonieren können. Israelische Medien veröffentlichten Bilder der Gespräche, auch Videos davon tauchten in sozialen Medien auf. Für die Geiseln war es wohl der erste Kontakt mit ihren Familien seit mehr als zwei Jahren.
Die Videos dienen als Propaganda für die Terrororganisation Hamas. Bei den Bildern der Gespräche sind teilweise Hamas-Mitglieder im Hintergrund zu sehen. Der Hamas war bei vorherigen Geisel-Freilassungen ebenfalls vorgeworfen worden, diese für propagandistische Zwecke zu nutzen.
Die heute erfolgten Freilassungen sollten deshalb ohne öffentliche Zeremonie und ohne Medienvertreter ablaufen. Auf dem “Platz der Geiseln” im Zentrum der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv wurde die Übergabe jedoch mit großem Jubel von Tausenden Menschen gefeiert.
Freilassung palästinensischer Gefangener
Im Gegenzug für die Freilassung der Geiseln der Hamas hat Israel damit begonnen, Hunderte palästinensische Häftlinge aus Gefängnissen zu entlassen.
Eine jubelnde Menschenmenge erwartete die Busse, die vom Ofer-Gefängnis kommend in Beitunia im Westjordanland eintrafen. Mindestens einer der Busse mit Gefangenen sei auch in den Gazastreifen gefahren, teilte die von der Hamas geführte Gefängnisbehörde mit.
Israel hat sich verpflichtet, im Gegenzug für die Freilassung der Geiseln etwa 250 palästinensische Häftlinge freizulassen, die lebenslange Haftstrafen in Israel absitzen, sowie rund 1.700 Palästinenser, die während des Gaza-Krieges festgenommen und ohne Anklage in Israel festgehalten wurden.
Der Austausch gehört zu den Vereinbarungen, mit denen der Gaza-Krieg beendet werden soll, der am 7. Oktober 2023 mit einem Massaker der Hamas und der Entführung der Geiseln in Israel begann. Der Friedensplan kam unter wesentlicher Vermittlung der USA zustande.