Wie Kleinkredite zur Schuldenfalle für Verbraucher werden können
Stand: 13.10.2025 08:30 Uhr Fast alles ist teurer geworden – und Verbraucherkredite auch für kleinere Beträge boomen. Doch Experten warnen: Die bequeme Finanzierung kann in die Schuldenfalle führen. Von Robert
Fast alles ist teurer geworden – und Verbraucherkredite auch für kleinere Beträge boomen. Doch Experten warnen: Die bequeme Finanzierung kann in die Schuldenfalle führen.
Immer mehr Menschen konsumieren auf Pump. Auffällig dabei ist, dass manche das geliehene Geld sogar schon für das Notwendigste brauchen. Das zeigt eine Erhebung des Bankenfachverbands unter deutschen Kreditbanken. Bereits im ersten Halbjahr 2025 haben Verbraucherinnen und Verbraucher demnach 30 Milliarden Euro an neuen Krediten aufgenommen – ein Plus von 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Ein triftiger Grund für den gestiegene Nachfrage nach Verbraucherkrediten sei die Inflation, erklärt der ehemalige “Wirtschaftsweise” und Professor der Frankfurt Goethe-Universität Volker Wieland: “Kredite wirken wie ein kurzfristiges Polster, aber sie erhöhen auch das Risiko, sich langfristig zu verschulden.” Haushalte müssten mehr für ihren Alltag ausgeben, zumal die Inflation zuletzt wieder stieg. Zuletzt lag die Teuerung im September bei 2,4 Prozent.
Gut für die Kreditwirtschaft – riskant für Verbraucher
Die Kreditwirtschaft sieht diese Entwicklung positiv: Mehr Kredite belebten die Konjunktur, heißt es. Finanzierungen machen Anschaffungen möglich, die sonst warten müssten – gerade bei gestiegenem Preisniveau. Insbesondere junge Leute machen dafür gerne Schulden. Digitale Bezahldienste machen es einfach, und so ist fast jedes Produkt mittlerweile auch per Kleinstkredit zu erwerben, ob es sich um das Konzert-Ticket oder die neuen Autoreifen handelt.
Mehr Kredite bedeuten allerdings auch mehr Gefahr. Manuala Wiegand, von der Verbraucherzentrale Hessen, warnt vor steigenden Verschuldungsrisiken. Viele kleine Beträge sorgten schnell für großen Ärger. “Wenn ich fünf Bestellungen mache, dann summieren sich diese ganzen kleinen Kredite.”
Krankheit kann der Auslöser sein
Die Zahl überschuldeter Verbraucherinnen und Verbraucher bleibt mit 5,56 Millionen Betroffenen weiter auf hohem Niveau. Die Ursachen dafür sind vielfältig und reichen von langwierigen Krankheiten über Erwerbsunfähigkeit bis zu gescheiterten Immobilienfinanzierungen. Besonders problematisch aus Sicht der Verbraucherzentrale ist aber, dass mittlerweile auch Kredite für Alltägliches aufgenommen werden. Als Beispiele nennt Expertin Wiegand Lebensmittel, Kleidung oder die Einschulung von Kindern.
Auch eine Civey-Umfrage belegt das. Demnach sind die häufigsten kreditfinanzierten Ausgaben für das Auto (27 Prozent), gefolgt von Lebensmitteln (26,6 Prozent) und den Einkauf von Kleidung (21,4 Prozent). Aufhorchen lässt, dass mittlerweile sogar der Kauf von Lebensmitteln, also der tägliche Bedarf, von manchen auf Pump finanziert wird. Aus ihrer Erfahrung kennt Verbraucherschützerin Wiegand viele Ratsuchende, denen das passiert: “Es ist inzwischen so, dass viele gucken müssen, wie komme ich über den Monat.”
Investieren für den Job?
Ihre Beobachtung sei, dass die eine Rate fällig werde und bezahlt werden müsse und Betroffene dann parallel woanders einen neuen Kleinstkredit aufnehmen. Dennoch muss Schuldenmachen nicht immer etwas Schlechtes bedeuten. So könne man etwa in für den Job wichtige Anschaffungen investieren und dabei sogar von der Teuerung profitieren, sagt Experte Wieland: “Wenn Sie einen längerfristigen Kredit aufnehmen, dann hilft Ihnen die Inflation.”
Wenn man den Kredit zurückzahle, sei die Kaufkraft gesunken und man werde zum Inflationsgewinner. Schuldenmachen scheint ohnehin im Trend der Zeit zu liegen. Auch die aktuelle Bundesregierung lebe ja gewaltig auf Pump.
Expertin Wiegand von der Schuldnerberatung der Verbraucherzentrale hat einen Vorschlag, um zukünftig die Menschen davor zu schützen, in die Schuldenfalle zu tappen: “Ich könnte mir gut vorstellen, dass finanzielle Grundbildung in Schulen aus der Tabuzone geholt wird.” In jedem Fall empfiehlt sich: Genau rechnen, sich beraten lassen und früh gegensteuern – um nicht in die Schuldenfalle zu geraten.